In Memory of My Master: Ostad Mohammad Ebrahim Jafari | In Erinnerung an meinen Meister: Ostad Mohammad Ebrahim Jafari

Ab 1995 war ich Schülerin von Ostad Mohammad Ebrahim Jafari in dessen Atelier Hajm-e Sabz in Teheran.
Vom ersten Tag an hatte ich das Gefühl, einen Ort zu betreten, an dem Kunst mehr als nur Technik war, nämlich eine Lebensart.

Ostad Jafari lehrte nie nur durch Anleitung. Er malte mühelos, als würde er von Erinnerung und Intuition geleitet.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie er mit wenigen Pinselstrichen eine traumhafte Landschaft heraufbeschwor: die Silhouette einer Figur, die einen langen Schatten wirft, ein fernes Fenster, ein aus Lehmziegeln gebautes Taubenhaus, das aus der Erde ragt.
Seine Werke flüsterten von Zeit, von Ort, von Präsenz – nie laut, immer poetisch.

Ich habe nie versucht, seinen Stil zu imitieren. Darum ging es mir nie.
Aber seine Präsenz, seine Philosophie und die anmutige Art, wie er sich im Schaffensprozess bewegte, haben meinen Weg als Künstler nachhaltig geprägt.
Er lehrte mich, dass es in der Kunst nicht um Meisterschaft geht, sondern ums Zuhören. Auf das Material, auf die Erinnerung und auf den Geist des Werks, während es entsteht.

Sein Einfluss lebt in meinen Filzcollagen, in meinen Gemälden und in der Art und Weise, wie ich jeden Tag das Atelier betrete, weiter: offen, demütig und bereit, neu anzufangen.

Ostad Jafari pflegte zu sagen: „Wir haben nur einen Picasso, einen Chagall, einen Van Gogh. Selbst wenn man ihren Stil makellos imitiert, wird man nie ein Künstler, sondern nur ein guter Kopierer.

Er glaubte, wahre Kunst beginne, wenn man seine eigene Stimme, seine eigene Sprache, seine eigene Sicht auf die Welt finde.
Ja, technisches Können ist wichtig, denn es hilft uns, unsere Ideen klar auszudrücken. Aber Können allein macht noch keinen Künstler.

Eine Hand, die ein Pferd detailgetreu kopieren kann, ist laut ihm nicht die Hand einer kreativen Seele.
Denn wenn wir nur Präzision brauchen, kann diese Aufgabe besser von einem Foto erfüllt werden.

„Kunst ist Poesie, geschaffen mit Hand und Herz.“

Diese Worte sind mir im Gedächtnis geblieben.
Sie begleiten mich bei jedem Pinselstrich, jedem Wollstich und jeder Entscheidung, die ich in meiner Arbeit treffe.
Sie erinnern mich daran, dass es in der Kunst nicht um Perfektion, sondern um Präsenz geht.

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